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1. Juli 2017

Stadtteilzeitung Potsdam West, Ausgabe 35, Juli-September 2017: Gnade Gott

 

 

 

 14. Juni 2017

 Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN): Autoren lesen aus Potsdamer Luther-Krimi

 

 4. März 2017

 Wiesbadener Kurier: Karten der Geschichte probeweise neu gemischt

 

 

 2. Februar 2017

>>> Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt: Martin hat geklaut und Papst Franziskus rettet

 

 

 

 

 Martin hat geklaut – und Papst Franziskus rettet!

 Von Viola Bolduan

NEUERSCHEINUNG „Zweite Geschichte von Paul und Leonhard“ zum Luther-Jubiläum von Manfred Gerber und Bernt Armbruster

WIESBADEN - Das Luther-Jubiläum fällt aus! Die halbe Welt hat die 500-Jahr-Feier der Reformation für dieses Jahr seit Langem vorbereitet – und jetzt alles für die Katz‘? Martin Luther, der im Mittelpunkt hatte stehen sollen, hat gelogen und geklaut und gibt es auch noch zu! Dass nicht er das Neue Testament übersetzt hat, sondern sich mit Gutenbergs Hilfe der später bekannt gewordenen zu-Guttenberg-Methode bedient und einfach von jemand anderem abgeschrieben hat. Sensation! Skandal! Der Super-GAU für alle Feierlichkeiten 2017!

Für Luthers Denkmalsturz verantwortlich sind zwei Journalisten, die ein Dokument in Luthers Originalhandschrift finden, in dem der viel, aber offensichtlich falsch Gerühmte sein Plagiat gesteht. Bevor aber Reformations- und Sprachgeschichte umgeschrieben werden müssen, überprüfen die beiden die Echtheit des Dokuments und geraten dabei tief in einen Strudel perfider Intrigen. Ausgeheckt vom Vatikan schon von Luthers Lebzeiten an. Der heutige Papst Franziskus dagegen bleibt von allen Machenschaften seiner Vorgänger unbefleckt – und wird gar als Hoffnungsträger in eine ganz neue Luther-Nähe gerückt. Wie das? Die Ermittlerfiguren des Luther-Krimis, Paul Wiesensee und Leonhard Ross, nehmen die verworrenen Fäden zwischen Fälschungsabsicht und Echtheitsbeweis ihrer Entdeckung auf und haben als recherchierende Autoren Ulrich Hutten und Robert Morgenroth gefunden. Auch sie erfanden sprechende Namen, unter denen diese „Zweite Geschichte von Paul und Leonhard“ jetzt erscheint. Gerade sind die Gräten ihrer ersten, aus der „Letzten Dorade“ (2015), ausgespuckt. Mit „Gnade Gott“ steht dieser neue Fall der Autoren – mit Klarnamen Manfred Gerber und Bernt Armbruster – unter einem genialen Titel, indem er Luthers Ringen um die Gnade Gottes mit der Drohung in der gleichnamigen Redewendung verquickt.

Mit weiterer mutiger Kopplung von Fakten und Fiktion zur Luther-Geschichte und der der katholischen Kirche, rasanten Sprüngen durch die Zeiten von Luthers Mönchtum bis zur Gegenwart unmittelbar vor dem Reformationsjubiläum, schnellem Wechsel der Schauplätze zwischen Rom und Eisleben, einer Kurstadt (wahrscheinlich Wiesbaden), Gotha, Erfurt und San Jerónimo de Yuste, der Sterbestätte Karls V., spannt „Gnade Gott“ ein weites Netz für Historienfans und Krimifreunde.

Luthers Seelenqualen im Kloster

Einfühlsam werden etwa Luthers Seelenqualen im Augustiner-Kloster ausgebreitet, ist beinhart ihr konträres Pendant beschrieben im Rückblick von Kaiser Karl V. auf den Reichstag von Worms („Warum habe ich diesen aufrührerischen Professor aus Wittenberg laufen lassen?“) und darf sich Martin auf seiner Pilgerreise in Rom –gegen herkömmliches Wissen – dem Himmel ganz nah fühlen. Derweil findet in der Gegenwart nicht nur Paul die verräterische Luther-Handschrift, sondern auch ein kleiner Jesuit verborgene Dokumente im Geheimarchiv des Vatikans. Im Tiber treibt kurz später eine Leiche. Weshalb es gut ist, den Top-Agenten Jürgen Schmitt aus dem Vorgänger-Buch zu kennen, der den akut gefährdeten Personen in Rom beistehen kann.

Wozu auch der heutige Papst gehört, den die Autoren mit ihrer Maria(!)-Figur im Buch nicht nur als „neuen Martin Luther“ feiern, sondern– hier treibt die Fantasie ein gewagtes Spiel! – ihn in eine genealogische Abstammungskette zum Reformator stellen. Luther hatte Frau Käthe was zu beichten. Und Franziskus rettet im Nachhinein den Ruf des früheren Gegners der katholischen Kirche und damit auch den eigenen als Papst. Darauf muss man erst einmal kommen – dass dieser Krimi zum Lutherjahr als seinen wichtigsten Leser das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche anspricht!

Das ist im „Pingpong-Spiel“ der Autoren (Manfred Gerber zum Schreibverfahren) so frech und klug gemeint wie spannend und trickreich erzählt, insgesamt so lesbar lehrreich wie köstlich komisch. Gnade Gott den Autoren. Es geht übrigens auch noch um ein Kochbuch im Buch. Das Angerichtete möge bekommen – Protestanten, Katholiken und der ganzen Krimi-Gemeinde.